Page 38 - Vectorworks Stipendium (CH) - Michelle Mosimann
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Das Projekt
Von Beginn an unserer Arbeit hat uns ein sorgfältiger Um- gang mit dem Bestand geprägt. Wir haben seit dem ersten Tag versucht die Geschichte des Gebäudes und des gesam- ten Areals aufzugreiffen und aufzuwerten, denn darin liegt der Charakter des Gebäudes. Jedes Gebäude erzählt seine eigene Geschichte und prägt damit den Ort und die Men- schen in nächster Umgebung.
Das Industrieareal wurde ursprünglich von einer einfachen und bodenständigen Struktur geprägt. Gerade diese soll erhalten bleiben. Im Projekt wird mit einfachen, schlich- ten Materialien gearbeitet, die gerade diesen industriellen Charme neu aufleben lassen. Stapeln-lagern-schichten - die ursprüngliche Nutzung des Baumwollmagazins wird aufge- griffen und neu interpretiert. Nicht mehr die Lagerung vom Baumwollballen, sondern die Lagerung von Büchern, Kunst- gegenständen und Gemüse rückt ins Zentrum. Auch der Nutzer wird Teil dieser „Lagerungsstruktur“. Unterschiedli- che Sitznischen und Tische in den Regalen bieten sich an, Teil der Geschichte des Gebäudes zu werden. Eine einfache Regalstruktur zieht sich durch das gesamte Gebäude und bietet unterschiedliche Nischen, Räume und Zonen in den ansonsten offen gestalteten Grundrissen.
Der Umgang
Die Arbeit mit dem denkmalgeschützen Baumwollmagazin hat uns sehr gefordert. Wir hatten beide kaum Erfahrung mit dem Umgang eines geschützten Gebäudes. Dennoch sind wir stolz darauf, von Anfang an eine klare Haltung
eingenommen zu haben und für den sorgfältigen Umgang mit der Struktur plädiert zu haben. Diese Haltung geschah jedoch zu Beginn eher unbewusst. Deshalb sind wir zwi- schenzeitlich etwas von der Geradlinigkeit unserer anfäng- lichen Haltung abgewichen. Dies äusserte sich besonders in der zwischenzeitlichen Ausgestaltung des Grundrisses. Die Zwischenkritik II hat uns neuen Schwung und neue Wege aufgezeigt. Am Schluss haben wir erkannt, dass die Gebäudestruktur uns den Weg zum Grundriss von selbst aufzeigen kann. Die anfänglich unbewusste Einstellung wurde zu einer bewussten Haltung gegenüber dem Be- stand. Der Name des Projektes „in situ“ unterstreicht diese Haltung nochmals. Der lateinische Begriff bedeutet „unmit- telbar am Ort“ oder „am Ort“ und beschreibt die Wichtig- keit des Bestandes vor Ort für uns.
Wichtige Erkenntnisse
1_ Sorgfältiger Umgang mit denkmalgeschützten Gebäuden
> Qualitäten erkennen und aufwerten
2_ Genaue Betrachtung der Gebäudestruktur von Beginn an 3_ Das Gebäude gliedert mit seiner vorhandenen Struktur
bereits den Grundriss grob in unterschiedliche Bereiche > bewusst mit der Struktur des Gebäudes arbeiten: „Arbeit mit dem Gebäude, nicht gegen das Gebäude.“
4_ Keine gestalterische Überforderung dem bereits prägenden Gebäude aufzwingen
5_ Fokus auf die Kernidee während dem gesamten Prozess immer wieder in Erinnerung rufen
Fazit | Haltung im Bestand
„Ziel der Konservierung und Restaurierung von Denkmälern ist ebenso
die Erhaltung des Kunstwerks wie die Bewahrung des geschichtlichen Zeugnisses.“
„Das Denkmal ist untrennbar mit der Geschichte verbunden,
von der es Zeugnis ablegt, sowie mit der Umgebung, zu der es gehört.“
Artikel 3 + 7 - Internationale Charte über die Konservierung und Restaurierung von Denkmälern und Ensembles (1964)
Hochschule Luzern – Technik & Architektur | Innenarchitektur | BAA+IA 2020 | Dozentin: Carmen Gasser Derungs | Studentinnen: Sara Vergallo | Michelle Mosimann















































































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